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Filme im Härtetest

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Videoabend mit Freunden I: No Smoking

Okay, das wollte ich schon lange mal starten: Eine Serie über unsere Erfahrungen bei Videoabenden mit Freunden oder Bekannten, die dem indischen Kino mindestens skeptisch gegenüber stehen. Ich muss dazu sagen, dass je mehr Bollywood-Anti-Haltung ich zu spüren bekomme, desto mehr Spaß habe ich. Wer einfach nur da sitzt und sich nicht wehrt, dem würde ich so schnell nicht mehr damit kommen. Ist doch öde. Ich brauch Kontra.

 An dieser Stelle möchte ich mich bei all meinen Opfern noch einmal ernsthaft entschuldigen: Es tut mir leid. Ich kann einfach nicht anders. Einem Johnny-Depp-Fan "Dead Man" anzubieten, ist einfach nicht mein Ding. Wenn ich dadurch irgendwelche Magenverstimmungen zu verschulden habe: Sorry. Ehrlich.

Am Freitag haben wir eines unserer Lieblingsopfer besucht. Ich kenne wirklich niemanden, der seine Abscheu dem indischen Film gegenüber derart auslebt. Doch Widerstand ist zwecklos: Wir haben ihn mit einem fetten Elvis im Schaumbad geködert und einen Pseudo-Anti-Raucher-Film aufs Programm gesetzt...

 

Versuchsperson:

vorgeschädigt durch: Munnabhai M.B.B.S., Maqbool, Lagaan (nur erste Hälfte), Lage Raho Munnabhai (nur zweite Hälfte), Rang De Basanti, nach eigenen Angaben aufgewachsen mit indonesischen Soap Operas und offensichtlich dadurch traumatisiert.

typisches Verhalten: Neigt dazu aus Verzweiflung den Kopf gegen die Wand zu schlagen, wehrt sich sonst nur verbal gegen die Filmauswahl und tut immer so, als würde sie ihm körperliche Schmerzen zufügen. Drama-Queen.

Bestes Zitat: "Gib mir mal die Gabel, ich muss mir eben die Augen ausstechen."

 

Versuchsprotokoll:

Vor-Programm: Helen-Song aus "Geeta Mera Naam"

Bisherige Erfahrungen: unerprobt

Beschreibung: Dieses Lied gehört zu den kuriosesten, die ich je gesehen habe. Sadhana wird ausgepeitscht und trällert dabei einen Song. Sunil Dutt, komplett in Leder gehüllt, öffnet währenddessen aus keinem ersichtlichen Grund eine Art Geheimtür und gibt damit den Blick frei auf..... eine leicht bekleidete Helen, die mit einem wirklich schrägen Elivistollen-Typen im hautengen Kostüm durch ein Schaumbad tanzt. Man muss es einfach gesehen haben. Sado-Maso-Assoziationen kommen auch schnell auf und wenn man gerade denkt, dicker kann’s nicht mehr kommen, wird der Moppel-Elvis auch noch nass...

Wirkung: Fassungslosigkeit. Unsere Versuchsperson stellt fest, dass Inder auf noch irrere Ideen zu kommen scheinen als die Japaner. Er ist sichtlich fasziniert und meint sogar, er will mehr davon. Volltreffer! Die Peitschenhiebe lassen ihn aber zu einer etwas eigenartigen Schlussfolgerung kommen: Alle indischen Filmen hätten Spaß am Quälen. Sind wir möglicherweise zu weit gegangen? Nein, dem geht’s gut. Versprochen. Er findet’s offensichtlich wirklich witzig und steht auch noch dazu. Cool.

Hauptprogramm: "No Smoking"

Bisherige Erfahrungen: unerprobt

Beschreibung: Der Vorteil des Films ist eindeutig. Es sollte recht leicht sein, einen Bollywood-Hasser dazu zu überreden. Man sagt einfach, dass er auf einer Stephen-King-Kurzgeschichte basiert und erklärt, dass der Film nicht mehr Musik beinhaltet als der Durchschnitts-Hollywood-Streifen. Die kleine Jazz-Einlage in der Mitte sollte zu ertragen sein. Der Film hat aber auch einen entscheidenden Nachteil: Er ist völlig unverständlich und skurril. Man ist schnell versucht viel zu viel zu erklären. Und gerade so ein Film müsste eigentlich für sich stehen.

Wirkung: Schon die Sponsoren-Einblendungen amüsieren uns ungemein. Unsere Versuchsperson kommt zwar recht schnell auf den Kafka-Vergleich, braucht allerdings eine Weile und eine ganze Menge Erklärungen, um sich in den Film reinzudenken. Von der Skurrilität des Streifens ist er schon ein wenig beeindruckt. So etwas erwartet man wirklich nicht in Hindi. Gut, er scheint manchmal kurz vorm Einschlafen zu stehen, aber da wir den Film erst kurz vor 2 Uhr angeschmissen haben, ist das nicht weiter verwunderlich. Wir kriegen sogar noch ein paar echte Lacher (etwa in der Szene als K irgendwo ins Nirgendwo fliegt, um sich eine Zigarette anzünden zu können, oder in der Stummfilm-inspirierten Badezimmerszene) und gar nicht so viel weinerliches Stöhnen wie sonst.

Danach zeigt uns der Musicalhasser noch sein Lieblingslied mit dem sadistischen Zahnarzt aus "Der kleine Horrorladen". Gleich zweimal, weil’s so schön ist. Ich kenn das Lied noch sehr gut, aber es ist definitiv genial und ein sehr guter Abschluss für den Abend.

Fazit zur Versuchsperson: Hm... gibt es Bollywoodfilme mit Zahnärzten? Hat jemand einen Vorschlag?

Fazit zur Filmauswahl: Gute Ausbeute. "Geeta Mera Naam" ist einfach eine wahre Trash-Perle, und wird nun
öfter Mal vorgeführt. Solche entsetzten Gesichter sieht man doch gerne. "No Smoking" ist natürlich nicht minder-verstörend. Die Reaktionen auf so einen Film dürften immer spannend sein. Allerdings will ich es nächstes mal ohne die Erklärungen versuchen.

 

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