Filme im Härtetest: Johnny Gaddaar
Nicht, dass ihr jetzt denkt, wir würden hier keinen klassischen Bolly-Stoff testen wollen. Kommt noch. Ich erinnere mich noch an eine ganze Reihe furchtbar unterhaltsamer Videoabende, die ich mittlerweile mit "Main Hoon Na" verbracht habe. Aber nicht jeder kann mit Songs etwas anfangen, deswegen versuche ich (manchmal...) darauf Rücksicht zu nehmen. Letztlich macht es auch mir keinen Spaß mit einem Häufchen Elend auf dem Sofa zu sitzen und mir so einen meiner Lieblingsfilme anzuschauen. Das kann ein ganz schön unangenehmes Unterfangen sein. Ihr wisst sicher, wovon ich rede.
Zeigt man etwas, was nicht dem Klischee entspricht, kommt natürlich immer prompt ein "Ja, aber der ist doch anders, oder?". Immer schön als Frage formuliert. Es geht also nicht darum, jemanden von der indischen Filmindustrie zu überzeugen. Mal ehrlich: Entweder man liebt sie, oder man hasst sie. Nein, es geht einfach nur darum, dass Hindi-Filme eigentlich für jeden Normalo-Fernsehkonsumenten sicherlich eine gesunde Abwechslung darstellen müssten. Sachen, die für uns schon fast öde sind, können unsere Versuchspersonen noch völlig aus der Fassung bringen. Sie mögen meinetwegen nach Hause gehen und sagen: "Boah, das war der schlechteste Film, den ich je gesehen hab!" Aber dann haben sie immerhin etwas zu erzählen...
Versuchsperson:
vorgeschädigt durch: Main Hoon Na (allerdings im Fernsehen), Rang De Basanti, Lage Raho Munnabhai, Teesri Manzil, Cash, eine tiefe Abneigung gegen Musicals
typisches Verhalten: Oft schwer einzuschätzen. Schaut schon häufig gelangweilt drein oder liest sehr aufmerksam die Untertitel. Reagiert höchst allergisch auf Lieder, Pathos und Kitsch, auch, wenn es nur minimal vorhanden ist... Sagt aber manchmal hinterher, dass er es soooo schlimm doch nicht fand. Öhm... ja.
Bestes Zitat: "(ist mit dem Versprechen in den Film reingegangen, dass es keine Logiklöcher geben würde und hat natürlich doch etwas entdeckt) Da muss man natürlich gar nicht drüber reden."
Versuchsprotokoll:
Haupt-Programm: "Johnny Gaddaar"
Bisherige Erfahrungen: unerprobt
Beschreibung: Gäbe es eine Auszeichnung für den stylischsten Hindi-Film aller Zeiten, wäre dieser sicher ganz oben auf der Liste. Schon der Vorspann ist kultig. Außerdem ist die Story sehr gut und die Musik hat ordentlich Schmiss, obwohl es keine Songs im eigentlichen Sinne gibt, sondern nur einen verflixt guten Soundtrack.
Wirkung: Wir haben ziemlich viel reingelabert, was bei so einem storylastigen Film nicht so geschickt ist. Er braucht ja auch eine Weile, um richtig in die Pötte zu kommen, aber sobald wir drin sind, klappt’s relativ gut. Der Film ist mir auch null peinlich, von daher mach ich mir gar keine Gedanken, nicht einmal, wenn wiederholt über die Musik gejammert wird.
Ich muss aber wirklich jeden davor warnen, Zuschauer mit einem Nicht-Vorhanden sein von Logiklöchern zu locken. Das kommt nämlich einer Herausforderung nach solchen zu suchen gleich...
Nach-Programm: "Jagir"
Bisherige Erfahrungen: unerprobt
Beschreibung: Ein kleines Trash-Fest muss natürlich auch her. Schräge Kostüme, schicke Ausstattungen, die uns auf ganz bekloppte Ideen bringen, ein wenig Lost & Found, ein wenig Curry-Western, Schatzsuche und Stars wie Dharmendra, Zeenat und Mithun im Cast. Das alles klingt nicht nur danach, sondern ist wirklich ein Vergnügen. Gut, die Story gibt leider nicht so viel her, deswegen lässt es irgendwann schon etwas nach, aber...
Wirkung: ...die Versuchsperson hat sich ohnehin schon vor dem ersten Song verdrückt.
Fazit zur Versuchsperson: Wenn jemand mit indischen Filmen wirklich so gar nix anfangen kann, warum kommt er dann? Will er kein Spielverderber sein? Fühlt er sich verpflichtet, weil ich mich auch durch sowas wie "Dune" gequält habe? Mir ist das jetzt egal. Es ist wirklich total nett und das ist es, was zählt.
Aber ich habe Grenzen und weiß, ab wann ich Leute in Ruhe lassen muss. Meistens. Wenn allerdings jemand auf mich zukommt, sage ich nicht "nein". Das kann ich gar nicht...
Fazit zur Filmauswahl: "Jagir" ist wahrscheinlich etwas zu konfus für solche Videoabende, aber vielleicht könnte man Highlights zeigen... hm... "Johnny Gaddaar" dagegen ist ein guter Film zum Vorurteile abbauen, vor allem für Jungs. Wobei wie immer gilt: Skeptiker bleibt Skeptiker.







