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Ein kleiner Erfolgsvergleich

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Bollywood vs. deutsches Kino

Angeregt durch das Ishq-Magazin und dem dort regelmäßig stattfindenden Bollywoodkopie ./. Hollywoodoriginal-Duell möchte ich einen Vergleich der indischen Filmkultur mit dessen Epochen, zu unserer eigenen anstellen.

Bevor ich zu dem Filmgut an sich komme, werde ich die schauspielerischen, stilistischen und technischen Mittel in Konkurrenz treten lassen.

Beginnen wir beim Schauspiel: Selbstverständlich nur gaaaaanz grob über den Daumen gepeilt, zeichnet sich der gemeine Bollywoodschauspieler durch sprühenden Enthusiasmus zum Schauspiel und zur Selbstdarstellung aus. Betonte Emotionalität ist ein Garant zum Erfolg. Sicher nicht zuletzt in der Komödie wird overactet, wie es manchmal wohl doch nur das indische Herz begehren mag. Doch Summa Summarum ist diese Art des Schauspiels derart kurzweilig und unterhaltend, dass es eine Wonne ist.

Für die deutschen Schauspieler gibt eines eine Bibel mit dem Titel „Subtilität in Perfektion“. Fast ausschließlich alle deutschen Schauspieler, selbstverständlich ein paar Perlen ausgeschlossen, verwechseln Subtilität im Schauspiel mit Authentizität. Herauskommt meines Erachtens lediglich ermüdende Künstlichkeit, die mich an den französischen Durchschnittsmöchtegernkunstfilm erinnert. Langweilig!

1:0 für Bollywood

 

Die Lokalitäten im indischen Film sind aus ästhetischer Sicht oftmals derart exquisit und spektakulär, die Sets meist phantasievoll und kreativ (in diesem Falle zugegebener Weise nicht immer ästhetisch), dass sich der leise Verdacht aufdrängt, dass manche indische Regisseure oder Drehbuchautoren zuallererst die Lokalität im Kopf haben, bevor die Geschichte überhaupt zu Ende gesponnen ist und generell die meiste Liebe und Energie in die Sets gesteckt wurde.

Die deutschen Sets dagegen… bedenkt man, dass Deutschland eigentlich ein wunderschönes Land ist, dann ist es wirklich erstaunlich, dass kein angesagter Regisseur dies je als Hintergrund seiner Filme nutzt. Das liegt wohl zu 100 Prozent daran, dass wir immer noch alle vom Heimatfilmgut derart traumatisiert sind, dass eine schöne heimische Lokalität im Auge des Betrachters eher Brechreiz aufkommen lässt und zum weiterzappen anregt. Ein schönes heimatliches Set schadet hier also eher der Geschichte des Films, die dann nicht mehr seriös transportiert werden kann. Daher sehen wir zumeist örtlich klar strukturierten Realismus. Das muss nicht hässlich sein, und kann durchaus Charme haben, aber ich mag die ausufernden Sets der Filmkonkurrenz Bollywood lieber.

 2:0 für Bollywood


Ich packe an nächster Stelle ausgerechnet Technik und Komödie unter einen Hut. Da gibt es nicht viel zu sagen. Bollywood ist in Sachen Technik immer noch nicht auf der Höhe und unterliegt hier gegenüber Deutschland, das an sich ja selbst noch weit hinter Hollywood bspw. steht. Und die Komödien treffen rein subjektiv nicht meinen Humor.

 Ausgleich zum  2:2

 
Gehen wir jetzt zum Filmgut an sich und beginnen in den 50er Jahren:

Deutschlands Filmwelt stand ganz unter dem Zeichen des Heimatkinos. Noch traumatisiert vom Krieg und seine langreichenden Folgen, dürstete das Volk mitten im Wirtschaftswachstum und Selbstfindungsprozess nach Titeln wie „Grün ist die Heide“ „Am Brunnen vor dem Tore“ „Der Förster aus dem Silberwald“, Die Fischer vom Heiligensee“, die Christel von der Post“ „Wo der Wildbach rauscht“. Na wenn das nicht klingende Titel sind, die anspruchsvolle Unterhaltung garantieren. Klar, auch die Deutschen hatten ein Alternativkino mit mehr Anspruch, aber diese Filme waren kein Publikumserfolg und wurden damals eingestampft. Sie sind heute im Gegensatz zu denen großer Bollywoodregisseure nicht mehr erhältlich.

Auch Indien ist kurz nach der Unabhängigkeit durch die grausamen Kämpfe traumatisiert. Doch Raj Kapoor und Guru Dutt z. B. schaffen erfolgreiches Qualitätskino um nur Awaara, Shree 420, Mr. and Mrs. 55 und Pyaasa zu nennen. Außerdem muss ich den Alltime Blockbuster Mother India erwähnen, der trotz Eposlänge, teils unverständlichen moralischen Botschaften und definitiv zu vielen Schicksalsschlägen die Kinokassen nur so klingeln ließ.

3:2 für Bollywood

 
In den 60er Jahren bot der indische Film, auch Dank Shammi Kapoor, reines Unterhaltungskino, aber was für eins! An Evening in Paris, Teezri Manzil, Junglee! Außerdem bieten diese Jahre Filme wie Guide, Jewel Thief und außerdem den All Time Blockbuster Mughal E Azam. 

Der einzige echte deutsche Boxoffice Hit in den 60er Jahren war „Zur Sache Schätzchen“ (ein eigentlich tatsächlich recht netter, kurzweiliger Unterhaltungsfilm). Ansonsten dominierten Peter Alexanders Graf Bobby oder Charleys Tante und Roy Blacks Filme das deutsche Kino. Jaaa, diese Filme sind nicht ganz so weit weg von Bollywood und doch bleiben sie im Vergleich zu den Bollywoodhits der damaligen Zeit kaum haften und taugen meines Erachtens nicht wirklich zum wiederholten Sehen, was selbstverständlich Geschmackssache bleibt. Und natürlich gab es daneben auch die anspruchsvollen UFA-Filme, die zu dieser Zeit aufkamen, aber da diese trotz der Kritiken wiederum bei den Zuschauern selbst keinen großen Erfolg verbuchten, zähle ich sie nicht.

4:2 für Bollywood
 

Okay, die 70er Jahre, hier haben wir in Bollywood z. B.: Sholay, Bobby, Hum Kisise Kum Nahin, Yaadon Ki Baarat, Don, etc. (am liebsten möchte ich die gesamte Box Office-Liste einfach abschreiben.

Gehen wir nach Deutschland: Der einzige deutsche Film der es zu einem Kassenschlager brachte war Schulmädchen Report Teil 1 und später Teil 2. Tja... traurig, traurig, traurig…

 5:2 für Bollywood

 

Die 80er in Bollywood, oweih… Naja, aber sie schenkten uns neben zumeist geschmacklosen Sets und augenblendender Mode Spaß mit z. B. Mr. India in Form von Anil Kapoor und die bezaubernde Madhuri Dixit. Ich will also nicht meckern.

Otto schenkte uns Deutschen seinen Film. Ich muss zugeben… irgendwie war das damals ja witzig… Trotzdem 10 Jahre und nur ein erfolgreicher Film während Bollywood in diesem Jahrzehnt gleich mit 2 All Time Blockbuster und 6 „einfachen“ daher kommt. 

 6:2 für Bollywood

 

Die 90er: Ein weiteres Ohweih, diese MODE!!! Doch auf der anderen Seite haben wir hier Kuch Kuch Hota Hai, Dilwale Dulhania Le Jayenge, Hum Dil De Chuke Sanam, Dil To Pagal Hai, Pardes, etc. etc. etc. insgesamt wartet das Jahrzehnt mit 6 All Time Blockbuster auf.

Deutschland entdeckt derweil die Komödie bzw. den gemischten Unterhaltungsfilm und landet damit beim deutschen Publikum einen Erfolg nach dem anderen: Der bewegte Mann, Lola rennt, Werner Beinhart, Werner das muss Kesseln, Knockin´ On Heaven´s Door, Papa Ante Portas, Stadtgespräch.

Ich muss gestehen, ich mag den deutschen Humor, ich mag all diese aufgezählten Filme und habe gelacht und mich amüsiert. Doch selbstverständlich entscheide ich mich auch hier wieder ganz klar für Bollywood, da die dort aufgezählten Filme mir allesamt etwas bedeuten und zu geben vermochten. Ich habe geweint und „gefühlt“. Doch möchte ich betonen, diese Wertung ist nicht im Qualitätsvergleich zu betrachten, der ja hier zwischen Komödie und Liebesfilm per se gar nicht möglich ist. In Sachen Komödien habe ich zudem BW ja schon verlieren lassen, deshalb vergebe ich auch hier mit reinem Gewissen einen klaren Punkt für die Industrie aus Mumbai.

 Trommelwirbel: Im Endergebnis steht es also 7:2 für Bollywood.

Die deutschen Filmhits werden (laut flüchtiger Recherche meinerseits) übrigens wohl erst seit 1968 gezählt. Was kann das nur bedeuten? Ich finde deutsche Filmkritiker dürften nur in aller Demut und den Händen an den Ohren ihre Kritiken über andere Filmindustrien verfassen.Wink

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