Angeregt durch das Ishq-Magazin und dem dort regelmäßig stattfindenden Bollywoodkopie ./. Hollywoodoriginal-Duell möchte ich einen Vergleich der indischen Filmkultur mit dessen Epochen, zu unserer eigenen anstellen.
Bevor ich zu dem Filmgut an sich komme, werde ich die schauspielerischen, stilistischen und technischen Mittel in Konkurrenz treten lassen.
Beginnen wir beim Schauspiel: Selbstverständlich nur gaaaaanz grob über den Daumen gepeilt, zeichnet sich der gemeine Bollywoodschauspieler durch sprühenden Enthusiasmus zum Schauspiel und zur Selbstdarstellung aus. Betonte Emotionalität ist ein Garant zum Erfolg. Sicher nicht zuletzt in der Komödie wird overactet, wie es manchmal wohl doch nur das indische Herz begehren mag. Doch Summa Summarum ist diese Art des Schauspiels derart kurzweilig und unterhaltend, dass es eine Wonne ist.
Für die deutschen Schauspieler gibt eines eine Bibel mit dem Titel „Subtilität in Perfektion“. Fast ausschließlich alle deutschen Schauspieler, selbstverständlich ein paar Perlen ausgeschlossen, verwechseln Subtilität im Schauspiel mit Authentizität. Herauskommt meines Erachtens lediglich ermüdende Künstlichkeit, die mich an den französischen Durchschnittsmöchtegernkunstfilm erinnert. Langweilig!
Ich packe an nächster Stelle ausgerechnet Technik und
Komödie unter einen Hut. Da gibt es nicht viel zu sagen. Bollywood ist in
Sachen Technik immer noch nicht auf der Höhe und unterliegt hier gegenüber
Deutschland, das an sich ja selbst noch weit hinter Hollywood bspw. steht. Und
die Komödien treffen rein subjektiv nicht meinen Humor.
Gehen wir jetzt zum Filmgut an sich und beginnen in den 50er
Jahren:
Auch Indien ist kurz nach der Unabhängigkeit durch die grausamen Kämpfe traumatisiert. Doch Raj Kapoor und Guru Dutt z. B. schaffen erfolgreiches Qualitätskino um nur Awaara, Shree 420, Mr. and Mrs. 55 und Pyaasa zu nennen. Außerdem muss ich den Alltime Blockbuster Mother India erwähnen, der trotz Eposlänge, teils unverständlichen moralischen Botschaften und definitiv zu vielen Schicksalsschlägen die Kinokassen nur so klingeln ließ.
In den 60er Jahren bot der indische Film, auch Dank Shammi
Kapoor, reines Unterhaltungskino, aber was für eins! An Evening in Paris,
Teezri Manzil, Junglee! Außerdem bieten diese Jahre Filme wie Guide, Jewel
Thief und außerdem den All Time Blockbuster Mughal E Azam.
Der einzige echte deutsche Boxoffice Hit in den 60er Jahren war „Zur Sache Schätzchen“ (ein eigentlich tatsächlich recht netter, kurzweiliger Unterhaltungsfilm). Ansonsten dominierten Peter Alexanders Graf Bobby oder Charleys Tante und Roy Blacks Filme das deutsche Kino. Jaaa, diese Filme sind nicht ganz so weit weg von Bollywood und doch bleiben sie im Vergleich zu den Bollywoodhits der damaligen Zeit kaum haften und taugen meines Erachtens nicht wirklich zum wiederholten Sehen, was selbstverständlich Geschmackssache bleibt. Und natürlich gab es daneben auch die anspruchsvollen UFA-Filme, die zu dieser Zeit aufkamen, aber da diese trotz der Kritiken wiederum bei den Zuschauern selbst keinen großen Erfolg verbuchten, zähle ich sie nicht.
Okay, die 70er Jahre, hier haben wir in Bollywood z. B.: Sholay, Bobby, Hum Kisise Kum Nahin, Yaadon Ki Baarat, Don, etc. (am liebsten möchte ich die gesamte Box Office-Liste einfach abschreiben.
Die 80er in Bollywood, oweih… Naja, aber sie schenkten uns neben zumeist geschmacklosen Sets und augenblendender Mode Spaß mit z. B. Mr. India in Form von Anil Kapoor und die bezaubernde Madhuri Dixit. Ich will also nicht meckern.
Otto schenkte uns Deutschen seinen Film. Ich muss zugeben… irgendwie war das damals ja witzig… Trotzdem 10 Jahre und nur ein erfolgreicher Film während Bollywood in diesem Jahrzehnt gleich mit 2 All Time Blockbuster und 6 „einfachen“ daher kommt.
Die 90er: Ein weiteres Ohweih, diese MODE!!! Doch auf der anderen Seite haben wir hier Kuch Kuch Hota Hai, Dilwale Dulhania Le Jayenge, Hum Dil De Chuke Sanam, Dil To Pagal Hai, Pardes, etc. etc. etc. insgesamt wartet das Jahrzehnt mit 6 All Time Blockbuster auf.
Deutschland entdeckt derweil die Komödie bzw. den gemischten Unterhaltungsfilm und landet damit beim deutschen Publikum einen Erfolg nach dem anderen: Der bewegte Mann, Lola rennt, Werner Beinhart, Werner das muss Kesseln, Knockin´ On Heaven´s Door, Papa Ante Portas, Stadtgespräch.
Ich muss gestehen, ich mag den deutschen Humor, ich mag all
diese aufgezählten Filme und habe gelacht und mich amüsiert.







