Da haben wir den Salat. Alle Gazetten Indiens berichten mit großem Eifer über den etwas merkwürdigen Streit zwischen Salman und Shah Rukh. Die beiden Bollywood Schauspieler, die neben Aamir Khan insbesondere in den 90ern Boxoffice Rekorde quasi alleine unter sich aufteilten und auch jetzt noch großen Markt- und Medienwert besitzen, möchten keine Harmonie der ewigen Liebe füreinander vorgaukeln.
Zumindest hält Salman Khan von dem diplomatischen Zirkus überhaupt nichts, er verzichtet auf eine Freundschaft, die eigentlich immer unter verschiedenen Vorzeichen geführt wurde, wie er der Indiantimes nahebringt. Der geneigte Bollywoodiast, der Salmans "Badboy Image", seine Gefängnisaufenthalte und Problembewältigungen, die er auch mal gerne mit Fäusten anging, kennt, mag hier nun schnell ein Urteil fällen wollen. Shah Rukh Khan war schon immer ein Genialist, wenn es um den Umgang mit den Medien und der damit verbundenen eigenen Imagepflege ging. Er hat sich über Jahre eine Persönlichkeit erarbeitet, die bei jedem Journalisten Gewissensbisse hervorruft, sofern er nur mit dem Gedanken spielen möchte Shah Rukh Khan persönlich zu tadeln oder gar öffentlich zu verurteilen. Einen ähnlich göttlichen Status hat momentan nur die alternde Legende Amitabh Bachchan. In diesem Sinne könnte Salman Khan quasi machen was er wollte, er würde wohl immer die bescheideneren Sympathiewerte bekommen, könnte man meinen. Andererseites sind gerade die nachteiligen, vielleicht sogar beklagten (Un)Tugenden Salmans, auch sein Vorteil. Es mag sicher viele Menschen geben, ob auf den Straßen Indiens oder auch im Filmgeschäft, die den heißblütigen Pathan, aufgrund der obigen Tatsachen nicht wirklich ausstehen können, andere schätzen ihn jedoch gernau deswegen. In einem Land, wo Minderheiten täglich um ihren anerkannten Status kämpfen müssen, wo opportune Machenschaften des täglichen Seins zum Überleben eines Jeden gehören, wo ein ehrlicher Diskurs im politischen, wie gesellschaftlichen Leben über viele Umwege erkämpft werden muß, sind Persönlichkeiten wie Salman Khan durchaus geschätzt und auch beliebt. "Er sagt, was er denkt und das mögen wir an ihm", habe ich bei meiner letztens Indienreise immer wieder hören können.
Shah Rukh Khan ist schon lange kein Schauspieler mehr, er ist faktisch ein indischer Staatsmann, der im In- und Ausland dafür sorgt, dass sein Land würdig vertreten wird. Sein großer Erfolg im Filmgeschäft und sein geschickter Charakterzug haben ihn in diese Rolle geradezu hineingedrängt. Das vielleicht bekannteste indische Gesicht auf dem Planeten nach Mahatma Gandhi trägt insofern mehr Schaden durch diesen allseits diskutierten Streit mit sich, als sein Namensvetter Salman. Der große zeitgenössische Poet, Javed Akhtar hat es auf den Punkt gebracht: "wenn überhaupt jemand in diesem Land die Fähigkeit besitzen sollte Menschen zusammenzuführen, mögen sie verschiedener Religion oder Ethnie sein, mögen sie aus Nord- oder Südindien kommen, so ist es Shah Rukh Khan. Er hat das Zeug zum Präsidenten Indiens, er ist ein sehr intelligenter und guter Mann". Diese Veredelung des großen Khans, durch die Worte eines Mannes, der in Indien für seine hohen Geistesgaben geschätzt wird, mag unkommentiert den Status Khans verdeutlichen. Für Shah Rukh Khan kann es also nur richtig sein, diesen wirren Zustand zwischen ihm und seinem Schauspielkollegen schnell zu beenden. Das liegt sicher nicht alleine in seiner Hand.
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