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Ghajini.. ich war im Kino

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gajhini-asin und aamir.jpgEine Achterbahnfahrt der Gefühle, ein tränenreiches Abenteuer, Romantik in Reinkultur. Alles Begriffe, die man mit einem Bollywood Film gerne verbindet und sicher nicht zum ersten Mal hört. Der größte zeitgenössische Liebhaber auf der Leinwand, der gute Shah Rukh Khan, hat uns die Attribute der intensiven Gefühlsauslebung von der Mattscheibe aus nur allzu oft beigebracht und wir dankten es ihm mit unseren Tränen. Kann man nun diese Begrifflichkeiten auch auf Ghajini anwenden? Ja und nein zugleich. Ghajini schenkt uns ein Filmerlebnis aus Bollywood, so intensiv und herzzereissend, wie schon seit Langem nicht mehr.

Der Film ergreift von der ersten Minute an und möchte einen fast durchgehend nicht loslassen. Sogar der obligatorische, persönliche Toilettengang, der bei der Aufnahme überdurchschnittlich hoher Getränkemengen zum Wasserlassen nötigt, wird bis zum Filmende aufgeschoben. Das tut weh, nicht nur in der Hose, auch im Magen. Ja genau dieser hat zu guten Teilen des Films Höchstleistungen zu erbringen, er dreht sich nicht nur einige Male um die eigene Achse, er lernt auch zu bluten und da wären wir wieder beim Wasserlassen. Das Blut als inflationäres Gebilde der indischen "Leidkultur". Es strömt, es schmerzt nur zu oft, im Sinne der Liebe oder ihr vollends entgegen.

Ich muß im Vorfeld zur Aussage neigen, dass ich weder die südindische Version von Ghajini, noch den Hollywood Streifen Memento kenne, der als Vorlage gilt. Ich denke, dass mir im Falle von Ghajini, der notorische Drang nicht alles permanent mit anderen filmischen Schöpfungen vergleichen zu müssen, ganz gut tat. Ein jungfräuliches Erlebnis mit manchen Ahas und noch mehr Autschs..

Regisseur A.R. Murugadoss hat mit Ghajini zum Abklang des Jahres ein Bollywood Werk geschaffen, das sicher kontrovers aufgenommen wird, aber ohne Zweifel, qualitativ in einigen Bereichen auf höchstem indischen Standard arbeitet. Mögen wir bei den Schauspielern anfangen und gleich zu Aamir Khan kommen, auf den jedesmal ein großer Erwartungsdruck lastet. Zur Beruhigung all seiner Fans kann man jetzt schon sagen, dass er gute Arbeit verrichtet hat. Sein monatelanges Workout-Programm zur Muskelbildung hat sich ausgezahlt, sein Körper wirkt in der Form des Rächers wie aus Kupfer geschmiedet. Ace Khan hat in Ghajini sicher den größten Spagat zu bewältigen. Auf der einen Seite den stil- und selbstsicheren Geschäftsmann, der sich in seiner altbekannten Manier einer jungen Schönheit hingezogen fühlt und eher ein Mann der leisen, liebevollen Töne ist, der am Liebsten seine Angebete reden lässt. Auf der anderen Seite der neugeborene, mit tiefen körperlichen und seelischen Schmerzen getriebene Rächer, der mit starrem, scharfem, tötendem Blick einem Ziel hinterherhechelt, ohne Rücksicht auf Verluste. Man mag bei Aamir Khan sicher Schwächen erkennen können, wenn man sie sucht. Der springende Punkt warum er in seiner Protagonisten Rolle mich hat überzeugen können, war die Tatsache, dass ich zu ihm Mitgefühl und starke Sympathie empfand, er mich jedoch gleichzeitig auch zu Schrecken brachte. Wie ich am Stöhnen meiner Sitznachbarn im Kino feststellte, gehörte ich da sicher nicht zur Minderheit. 

 

Asin, was für eine Frau. Zarte 23 Jahre jung, spielt so treffend gut, ob quirrlig charmant mit Aamir interagierend oder als Retterin von kleinen, mißbrauchten Mädchen. Man entwickelt schnell einen Draht zu ihr, ihr Tränenfluss sitzt genauso perfekt, wie ihr Haar. Asin ist keine Unerfahrene, wie mir Julia nahebrachte, in 18 südindischen Filmen gab sie schon ihr Bestes, ihr jetziges Bollywood Debüt lässt ohne Frage klar erkennen, dass die attraktive Schönheit sich auf der Mattscheibe zu bewegen weiss. Ghajini ist ein Aamir Khan Film, doch Asins filmische Erfahrung und selbstbewußte Attitüde sorgen dafür, dass sie von dem Lagaan Star nicht niedergespielt wird. 

 

Jiah Khan, spielt eher eine Nebenrolle, die im zweiten Teil mehr zum Tragen kommt. Man kann hier kein wirklich großes Urteil über sie fällen. Sie macht ihre Arbeit gut, bleibt in Ghajini jedoch immer Nebenkriegsschauplatz. Ihr Item Song wird auf ein Minimum zusammengeschnitten, so dass sie sich hier auch tänzerisch nicht ernsthaft bewähren darf. Ich finde jedoch, dass Asin einen charaterstarken Gesichtsausdruck hat, dessen Potenziale ich noch erleben möchte. 

 

Zur Musik: jeder Song ein Treffer. Frisch, frei, lebendig, modern, gewagt und trotzdem so vetraut. Solche Musik kann nur von A.R. Rahman stammen, der nach Yuvraaj den zweiten großartigen Soundtrack innerhalb der letzten 5 Wochen abliefert. 

 

Um mein erstes Urteil für heute abzuschließen, kann ich nur jedem Bollywood Fan raten sich den Film einmal anzutun. Er schafft eines, er paralisiert, im positiven, wie im negativen Sinne. Ghajini ist nichts für schwache Nerven, Gewalt hat wenig Sinnliches an sich, aber der Trieb nach Liebe und Vergeltung wird verstanden. Wenn nicht, auch egal. Alleine für die Schlußszene lohnt es sich hinzugehen.. (aber lasst Eure Kinder Zuhause ;))

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