Frohes neues Jahr! Bei uns fiel die Silvesterfeier diesmal etwas besonnener aus. Mit Bollywood-Musik im Gepäck machten wir uns auf zum münsteraner Aasee und tanzten ins Jahr 2009 hinein, aber entweder war es zu kalt und nebelig in diesem Jahr oder wir waren am falschen Fleck oder unsere Kolumnistin Natalie fehlte zu sehr in der bollywoodisierten Runde. Jedenfalls endete die Nacht diesmal doch in einer eher gemütlichen Runde auf dem Sofa, während „Bachna Ae Haseeno" im DVD-Player spielte.
Wenn ich so an das Jahr 2008 zurückdenke, mit seinen vielen Turbulenzen und Tragödien, die das Hochgefühl nach der Berlinale fast vergessen ließen, ist es wirklich kein Wunder, dass wir jetzt geschafft sind. Es ist also Zeit für den obligatorischen Jahresrückblick zum Jahreswechsel, wo wir uns auch noch einmal an die schönen Momente erinnern können:
Zu Beginn des Jahres sah alles noch ziemlich friedlich aus. Nach Aishwarya Rai Bachchan, Amitabh Bachchan und Shah Rukh Khan, gesellte sich am 15. Januar auch Salman Khan zu der Riege Bollywood-Stars, die Madame-Tussaud’s-Besucher in London als Wachsfiguren bewundern können. Natürlich würde Salman später in Folge eines mysteriösen Streites zum Buhmann für viele Shah-Rukh-Fans avancieren, doch zu diesem Zeitpunkt waren noch die Gerüchte um den baldigen Berlinale-Auftritt des „King Khan" der heißeste Gesprächsstoff der Fangemeinde.
Im Nachhinein erinnert man sich zwar mit etwas Wehmut an die Tage des großen Om-Shanti-Om-auf-der-Berlinale-Hype, doch Shah Rukh Khans diesjähriger Besuch war sicher der größte Höhepunkt, den wir bisher hier in Deutschland miterleben durften. Es herrschte beinahe eine Aufbruchstimmung nach dem Ereignis, die sogar einen ersten Show-Erfolg fast möglich erscheinen ließ. Die Öffentlichkeit musste Notiz nehmen von dem Rummel um den indischen Star und die verbohrten Journalisten sahen sich einem gewitzten Shah Rukh gegenüber, der die Rolle des Bollywood-Botschafters charmant verkörperte. Der Star genoss die Aufmerksamkeit der internationalen Presse und seiner Fans sichtlich. Überall, wo man hinschaute, sah man in überglückliche Gesichter. Ein Gefühl, das ihnen keiner mehr nehmen kann. Und natürlich räumte „Om Shanti Om" auch bei den diesjährigen ACEBAs ordentlich ab.
Kurz nach diesem Höhenflug merkte man aber schnell wieder, wie alles seinen gewohnten Lauf nahm. Eros hielt es scheinbar nicht für nötig, in mehr Werbung für den Film zu investieren und konnte so wohl leider kaum neue Zuschauer für „Om Shanti Om" gewinnen. Auch der angesagte Don-2-Dreh in Deutschland hängt vorerst in der Luft.
Der erste Lichtblick auf dem Film-Sektor 2008 war selbstverständlich „Jodhaa Akbar". Er ist zwar sicher nicht Ashutosh Gowarikers bestes Werk, beeindruckte jedoch vor allem durch wunderschöne Aufnahmen und die stimmungsvolle Musik. Außerdem war der Film natürlich das einzige Angebot für die Fans von Hrithik Roshan, der zusammen mit Aishwarya ohne Zweifel eines der schönsten Leinwand-Paare der Gegenwart abgibt. Die Nachricht der Wiedervereinigung eines anderen Paares schlug jedoch ein wie eine Bombe: Als Karan Johar eröffnete, er würde wieder einen Film mit Shah Rukh Khan und Kajol machen, waren die Fans völlig aus dem Häuschen. Für Viele stellt die Kombination schließlich noch immer den ultimativen Coup dar und so wurde dem Projekt schon in diesem Jahr eifrig entgegengefiebert, sogar noch bevor man sich offiziell geeinigt hatte.
2008 sah man auch ein paar deutsche Filmvertriebe neu in den Bollywood-Markt einsteigen. Eros schmiss zum Beispiel unter dem Namen Bollymax einige DVDs auf den Markt. Die Auswahl konnte sich zwar sehen lassen – darunter gab es etwa Filme wie „Dor", „Cheeni Kum" und „Namastey London" –, jedoch verzichtete die Firma leider vorerst auf die deutschen Untertitel, was nicht gerade auf Gegenliebe stieß. Disney dagegen machte es genau anders herum: Die Untertitel waren vorhanden, jedoch schien die Filmauswahl weniger durchdacht. „3 Deewarein" gehört zwar ganz klar zu den besten indischen Filmen, die auf dem Markt erhältlich sind, aber dieser scheint eher ein Zufallstreffer und kommerziell sinnvoll ist sicher kein einziger der Disney-Titel. Asian Film Network machte mit „Humko Deewana Kar Gaye" und „Life in a… Metro" sicher den geschicktesten Anfang von den drei Neueinsteigern und ist auch das einzige Label, das Ende des Jahres noch einmal einen Titel herausbrachte.
Saif Ali Khan erntete einigen Spott dafür, dass er sich den Namen seiner Liebsten, Kareena Kapoor, tätowieren ließ und auch mit dem ersten Film des Paares – „Tashan" – landete der in letzter Zeit so oft gelobte Schauspieler eine ziemlich peinliche Bruchlandung, die er aber zum Glück mit „Thoda Pyaar Thoda Magic" wieder zurecht rücken konnte. Die positive Konsequenz der „Tashan"-Misere: Kareena Kapoors magere Figur wurde zum Glück nie zum Trend und so bleiben wir in Bollywood wohl noch einmal von solchen Klappergestellen verschont. Vishesh Films „Jannat", in dem Emraan Hashmi in das Kricket-Wettgeschäft einsteigt, konnte dagegen auch ohne großes Budget und großen Hype beim Publikum punkten. Akshay Kumar hat der „Tashan"-Reinfall kein bisschen geschadet und so konnte er mit „Singh Is Kinng" nahtlos an seinen „Welcome"-Erfolg anknüpfen. Dank klugem Marketing spielte der Film das dicke Budget auch mit links wieder rein.
Ein anderer, der in diesem Jahr ein geschicktes Händchen in Sachen Marketing bewies, war Aamir Khan. Nicht nur, weil er schon frühzeitig „Ghajini"-Publicity durch seine kurz geschorenen Haare und die abstehenden Segelohren bekam. Auch bei dem Release von „Jaane Tu… Ya Jaane Naa" mit seinem Neffen Imran Khan konnte er Harry Baweja und dessen Sohn, dem Hrithik-Klon Harman Baweja zeigen, wie man einen Newcomer richtig ins Rampenlicht rückt. Nämlich ganz sicher nicht, indem man einen anderen Schauspieler oder ein scheinbares Erfolgsrezept einfach kopiert. Vielmehr wurde schon in dem ersten Trailer für „Jaane Tu" ein köstlicher Seitenhieb auf die Prozedur „Wir-stellen-unseren-neuen-Sprössling-dem-Publikum-vor" verpackt. Der Film wurde auch prompt zum Hit und das Publikum schloss besagten Sprössling auf Anhieb ins Herz.
Die erste Hälfte des Bollywood-Jahres hatte aber wenig zu bieten. Dafür schienen einige Stars sich in einem ganz anderen Feld auszutoben: auf dem Kricketfeld! Aus irgendeinem Grund fingen sie plötzlich an, sich irgendwelche Kricket-Teams zu kaufen. Shah Rukh, Hrithik und Preity versuchten sich gegenseitig mit kuriosen bis kultigen Werbe-Musik-Videos für ihre Mannschaften zu übertrumpfen und die Fans begannen sogar tatsächlich die Spiele zu verfolgen.
Im Juli stand natürlich das Bollywood-&-Beyond-Festival auf dem Programm und konnte zumindest ein paar recht bekannte Filmemacher in Stuttgart begrüßen. Allen voran „Thoda Pyaar Thoda Magic"-Regisseur Kunal Kohli, der auf der Bühne erstaunlich locker auftrat, und ernsthaftes Interesse an dem deutschen Markt zeigte. Aber auch Manish Acharya wusste mit seinem Film „Loins of Punjab presents" sowie mit seinen Gesangskünsten beim Bollywood-SingStar zu begeistern.
Allmählich gab es dann langsam auch mal ein paar bessere Hindi-Streifen wie „A Wednesday", „Mumbai Meri Jaan" und sogar Ram Gopal Varma konnte mit „Sarkar Raaj" endlich noch einmal punkten. „Bachna Ae Haseeno" bewies eindrucksvoll, dass Ranbir Kapoor doch keine Niete ist, dass Bipasha Basu durchaus auch süß und stark zugleich sein kann und vor allem, dass Bollywood die Sache mit der Romantik doch noch drauf hat. Allein den Trubel um „Rock On" konnte ich nicht nachvollziehen.
Wir nähern uns dem Punkt, an dem alles anfing bergab zu gehen: Erst kam die Absage der „Unforgettable"-Show mit dem Bachchan-Gespann und dann folgte der große Schock durch die Komplett-Absage der „Temptation Reloaded"-Tour. Nach dem absoluten Höhepunkt auf der Berlinale, durften wir in diesem Jahr also auch einen absoluten Tiefpunkt miterleben. Viele Fans haben Unsummen an Geldern investiert, die sie bis heute nicht wieder gesehen haben und viele Fanherzen sind noch immer gebrochen. Die Zuversicht, die wir nach der Berlinale alle spürten, ist erst einmal kaputt und nicht so leicht zu reparieren. Geht nun alles wieder von vorne los? Ich denke nicht. Wir sind klüger geworden. Möglicherweise wurden wir aus unserem kleinen Tagtraum gerissen, aber so konnten wir uns zurück auf das konzentrieren, worauf es doch eigentlich ankam: die Filme.
Naja, gut, auch im Bereich Film gab es Enttäuschungen. Insbesondere die unterdurchschnittlichen Streifen, die uns zur Diwali-Zeit vorgesetzt wurden – „Kidnap" und „Drona" – waren eher lachhaft. Doch bevor wir noch einmal die Kinokassen klingeln hören sollten, mussten wir mit ansehen, wie im November eine schockierende Anschlagreihe Mumbai/Bombay lahm legte. Die Bilder aus dem Süden der Stadt machten den Eindruck, als würden sie aus einem Kriegsgebiet stammen und jeder, der einmal zum Urlaub dort war, beobachtete, wie die beliebtesten Touristenorte der Stadt von der Armee und den schießwütigen Terroristen umkämpft wurden.
Der Schock saß diesmal so tief, dass selbst Mumbai Hemmungen zeigte, zum Alltag überzugehen. Viele Stars äußerten sich zum Thema, obwohl nur wenige ernsthaft etwas mitzuteilen hatten und viele Konflikte, die zuvor noch brennende Poster hervor riefen, schienen auf einmal lächerlich. Auch bei uns standen die andauernden Diskussionen um die herausgezögerte Rückzahlung der Ticketgelder kurzzeitig still. Erst als der Veranstalter der Konzerte, die nie stattfanden, mitteilte, er würde sich noch immer um einen Ersatztermin kümmern, brach die Entrüstung erneut aus. Die Krönung war allerdings, als den verärgerten Kunden, die noch immer auf ihr Geld warteten, Weihnachtsgrüße ins E-Mail-Postfach flatterten.
Die Stimmung in Indien nach den Anschlägen war schwer einzuschätzen. Sicher fürchtete man Unruhen, doch es gab auch viele beruhigende Stimmen. Das Verhältnis zwischen Indien und Pakistan war in den letzten Wochen jedoch sehr angespannt, was auch leider so unglückliche Folgen nach sich zog wie einen Boykott pakistanischer Musiker. Es bleibt noch abzuwarten, ob so etwas auch die Filmindustrie beeinträchtigen wird. Ein Titel wie „My Name Is Khan" scheint jedenfalls deutlich heikler – aber auch spannender – als noch vor ein paar Monaten.
Dennoch konnten Ende des Jahres zwei Khans massenweise Kinobesucher anlocken. Erst kam Shah Rukh Khans „Rab Ne Bana Di Jodi" sogar noch einen Tag vor dem indischen Start in ausgewählte deutsche Kinos und bescherte uns ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk, das die ganzen Sorgen mal für einen Abend vergessen ließ. Ein versöhnliches Ende für ein turbulentes und teils sehr trauriges Jahr, wonach wir uns ein wenig Eskapismus jawohl redlich verdient hatten. Dann legte Aamir Khan mit „Ghajini" an Weihnachten noch einmal eins drauf – ebenfalls mit einer dicken Ladung Eskapismus und inklusive ziemlich einschlagender Masala-Action. Außerdem wurde Bollywood natürlich auch durch die zwei Neuzugänge Anushka Sharma und Asin bereichert.
Nun sind wir also im Jahr 2009 angelangt, mit einen ganzen Stapel ungelöster Probleme im Schlepptau und hoffen, dass zumindest ein paar davon zu lösen sind. Auf das kommende Filmjahr bin ich aber mehr als gespannt, denn es scheint wirklich für jeden etwas dabei zu sein. Die Vorzeichen stehen ganz gut für das erste Crossover-Projekt in Richtung China, Rajkumar Hirani meldet sich nach seinen Munnabhai-Erfolgen mit drei Idioten zurück, ausgerechnet Anurag Kashyap setzt uns ein Musical mit Abhay „Ich-will-nicht-singen-und-tanzen" Deol vor, Sunnyboy Shahid Kapur übernimmt seine erste negative Rolle unter der Regie des „Omkara"-Regisseur Vishal Bhardwaj, A. R. Rahman könnte mit einem internationalen Popstar zusammen arbeiten, eine indische Diva wird im „Pink Panther" zu bewundern sein, "Sholay" wird endlich den deutschen DVD-Markt beglücken und wenn nichts mehr schief geht, könnten wir vielleicht noch dieses Jahr die Rückkehr der Shah-Rukh-Khan-Kajol-Magie feiern.






as habe ich mich auch schon gef...
